Blogs - die Zukunft der fachlichen Sportberichterstattung?

Können spezialisierte Blogs die Sportberichterstattung ergänzen oder mittelfristig sogar ersetzen? Denn während Unternehmen, Vereine, Verbände oder auch Sportstars den Markt unter sich neu aufteilen, bleibt kaum mehr Platz für hintergründige und kritische Berichterstattung. Die im Netz etablierten Formate kämpfen derweil wie Indie-Bands um Aufmerksamkeit. Ist es so, weil es nicht anders sein kann oder gibt es innovative Ideen, die bereits in anderen digitalen Ecken funktioniert haben?

Der Sportjournalismus hat ein Problem. Vereine und Verbände - zum Teil die Sportler selbst - werden immer mehr zu eigenen und mächtigen Medienhäusern. Und spätestens seit der Handball-WM und dem vom Sponsor DKB realisierten Youtube-Livestream sind auch Sponsoren mitten im Mediengeschäft angekommen. Die Folge: Selbst für etablierte Sender mit deren Vorzeige-Formaten ist es schwer, in gewohntem Maß an die großen Stars und die kleinen Sternchen der jeweiligen Branchen heranzukommen. Kurzum: Der Sportjournalismus wandelt sich - nur in welche Richtung?

Aktuell tun sich die klassischen Medien mit den neuen Kommunikationsformen schwer. Die Versuche von ARD und ZDF den eigenen Content im Social Media auszurollen, wirken oft hölzern. Privaten Konkurrenten wie RTL oder Sport1 fehlen dazu häufig die (freigegebenen) Mittel. Demgegenüber gewinnen Pay-TV-Angebote wie von SKY und Eurosport oder neue Streamingdienste wie DAZN an Bedeutung, die eine wahre Live-Berichterstattungsflut auslösen, aber gerade online kaum an hintergründigen oder kritischen Auseinandersetzungen interessiert sind.

Welche Bedeutung kommt in diesem Wandel spezialisierten Blogs zu? Liegt hier die Zukunft? Mit meinen Plattformen die-sportpsychologen.de und die-sportpsycholgen.ch konnte ich die Erfahrung machen, dass das Interesse an (hoffentlich) verwertbar aufbereitetem Fachwissen wächst. Nicht zuletzt rund um Sportgroßereignisse steigen die Zugriffe signifikant an. Nur: Um eine umfangreiche Streuung zu erreichen, führt kaum ein Weg an den klassischen Medien vorbei, die aber gern bei Kooperationen das eigentliche Produkt verwässern oder aber inhaltlichen Expermienten per se aus dem Weg gehen. Ein Versuch des Axel Springer Konzern mit dem Inkubator 1530blog wurde 2014 nach nur einem halben Jahr eingestellt. Passt einfach nicht zusammen, was vielleicht zusammengehört? Oder wo liegt die Innovation, die Sender, Fachleute und das Publikum zukünftig zusammenbringen kann?