Cypherpunks - Kryptographische Technologien als politisches Projekt

Seit Anfang der 1990er engagierten sich die Cypherpunks für die Verbreitung von Verschlüsselungs- und Anonymisierungstechnologien an Heimcomputern, um den freien Fluss von Informationen zu garantieren. Viele von ihnen waren dabei von libertären Ideen getragen, wie sie sich bei Ayn Rand und Richard Nozick finden. Crypto sollte einen Stein ins rollen bringen, der nicht aufzuhalten ist und die Gesellschaft von Grund auf verändern sollte. Ein Rückblick auf was werden sollte und was tatsächlich wurde.

Verschlüsselungstools wie PGP, Anonymisierungssysteme wie Tor und digitales Geld werden oft als politisch neutrale Technologien betrachtet. Sie sollen lediglich freie Kommunikation ermöglichen. Ein Blick in die Anfänge ihrer Entwicklung zeigt jedoch, dass ihre Entwicklung nie auf neutralem Boden stattfand, ja dass Verschlüsselung bis in ihre antiken Anfänge politisch war.

Als sich die Cypherpunks zu Beginn der 1990er Jahre zusammenschlossen, um Crypto-Tools so weit wie möglich auf Heimsystemen zu verbreiten, geschah dies erstmals mit einer ausdrücklich politischen Motivation. Ideologische Leitfiguren waren dabei zumeist Männer wie John Perry Barlow, Timothy May oder Eric Hughes, deren Ideen die Diskussion um das Recht auf Crypto und Anonymität bis heute prägen.

Sie gingen weiter, als sich das viele heute noch trauen würden und sahen in den neuen Technologien bahnbrechende Entwicklungen angelegt, die die Welt grundlegend verändern sollten. Im anonymen Internet (T. May nannte es Blacknet), sollten Steuern und Zölle umgangen und somit Staaten entmachtet werden. Auf restliche unliebsame Politiker*innen sollten Auftragsmorde angesetzt werden und ein Reputationssystem sollte alte Eliten ablösen.

Die Staatsfeindlichkeit Mays findes sich in abgeschwächter Form auch bei Hughes und Barlow und ist insgesamt von einem Optimismus getragen, dass Internet und Crypto die Welt schon auf den richtigen Weg bringen würden. Diese Ansichten unterscheiden sich nicht wesentlich von radikalen liberalen Theorien und neokonservativen Denkansätzen wie die von Rand, Nozick und Konkin, die sich teils schon vor der Geschichte des Internets etablierten.

Obwohl Anonymisierungs- und Crypto-Tools einen unglaublichen Siegeszug hinter sich gelegt haben, haben sich die Visionen der Cypherpunks nicht verwirklicht. Ich werde in meinem Vortrag diese Visionen der tatsächlichen Entwicklung der letzten 25 Jahre gegenüberstellen und auf die Frage eingehen, warum wir nicht im Crypto-Anarchismus leben.